über uns

exf f. ist ein festival, das dem experimentellen film in seiner vielgestaltigkeit, seiner geschichte wie auch gegenwart, gewidmet ist. vier tage lang möchten wir einen begegnungsraum öffnen, in dem in gebündelter form verschiedene filmische arbeiten in ihren spezifischen medialitäten und materialitäten als eigenständige kunstform in den fokus gerückt werden. filme dieser art haben einen schwierigen stand. sie fügen sich weder in eine auf spiel- und dokumentarfilme konzentrierte filmlandschaft noch den gängigen logiken des kunstbetriebs, weshalb es nur wenig gelegenheiten gibt, sie als teil einer erweiterten, lebendigen kinokultur erfahren zu können. in unserem programm werden sowohl verschiedene analoge formate, von super 8 über 16mm und 35mm, als auch digitale produktionen und digitalisate restaurierter filme zu sehen sein.

ein großer dank geht an unsere förder:innen, die HessenFilm und Medien GmbH, das Kulturamt der Stadt Frankfurt, dem Instituto Cervantes Frankfurt und den AStA der Goethe-Universität Frankfurt, ohne deren unterstützung dieses festival nicht möglich ist.

wer auf dem laufenden bleiben möchte, kann sich auf unsere mailingliste eintragen lassen: exff.filmtage@gmail.com

martin klein, larissa krampert, björn schmitt

exf f. 2026:
“Each of his works is a departure from the previous one, in search of what has never been seen on screen”, schreibt Francisco Algarín Navarro in seinem Text über Robert Nelson. Dieser Satz könnte fast als Leitbild für das dienen, was den Kern jeder neuen Ausgabe von exf f. ausmacht: eine offene und fortwährende Suche nach neuen Formen des filmischen Ausdrucks. Nelson selbst verkörperte diesen ungezwungenen Geist persönlicher und künstlerischer Freiheit, beeinflusst von der Beat-Literatur, Funk Art und dem Improvisationstheater, auf perfekte Weise; seine Filme entziehen sich jeglicher Klassifizierung und Kanonisierung und bewegen sich zwischen anarchistischer Komödie, Landschafts- und Porträtfilmen sowie antirassistischem Agitprop. Von ähnlich formeller Polyvalenz sind die Werke von Klaus Telscher, in denen „autobiografische Bezüge, Alltag, deutsche Geschichte, amerikanische Kultur, Kitsch und Ironie zusammengeführt werden“. Als engagierter Lehrer und Aktivist für den Experimentalfilm war Telscher Mitte der 90er Jahre wegen schwerer Krankheit gezwungen, seine künstlerische Tätigkeit aufzugeben. Unser Programm ist eine vollständig analoge Hommage an den Filmemacher, der im Jahr 2024 verstorben ist. Utako Koguchi teilt Nelsons zutiefst persönliche Ausdrucksweise durch das Kino, wenn auch mit anderen Mitteln und ganz anderen Ergebnissen. Anfang der 1990er Jahre wurde die japanische Filmemacherin zu einer Schlüsselfigur der feministischen Bewegung der dortigen Experimentalfilmszene und zu einem wichtigen Bezugspunkt in der Geschichte des queeren Films. Koguchis O-DE-KA-KE Diary 1 & 2 (1989/1993), in denen sie durch Tokios Stadt- und Naturlandschaften streift, gehören zu den Schlüsselwerken dieser Epoche der japanischen Filmgeschichte, und wir freuen uns sehr, in zwei Porgrammen einen Teil ihrer Arbeit präsentieren zu können. Auch Shellie Fleming begann Ende der 1980er und Anfang der 90er Jahre mit dem Filmemachen. Als vielseitige Künstlerin sind Flemings Filme, wie Arindam Sen schreibt, sowohl „exquisit gestaltet, fein detailliert und auf komplexe Weise haptisch“, als auch zugleich „äußerst persönlich“ und im emphatischen Sinne „amateurhaft“. Jorge Suárez Quiñones Rivas und Yonay Boix, die aus Spanien zu Gast sind, gehören zu einer neuen Generation von Filmemachern, die mit analogem Film arbeiten. Für exf f. wird Rivas die vier Filme seiner Serie Marcel ! (2026), in Hommage an das vielschichtige Werk Marcel Broodthaers, in einer besonderen Performance mit vier Projektoren präsentieren. Yonay Boix dreht auf Super-8 und arbeitet mit Improvisation, technischen Pannen und den Überraschungen, die das Leben für jede:n von uns bereithält; seine Filme sind hochkomplexe, von Death Metal und Flickereffekten geprägte Familientagebücher. Aufwändig gestaltete Auseinandersetzungen mit der Kinoapparatur und ihren wesentlichen Bestandteilen prägen die Arbeiten von Karl Kels, Els van Riel, Mattijn Seip und Paul Sharits. Im Mittelpunkt der Werke von Kels und van Riel steht die Auseinandersetzung mit der Wahrnehmungsinstabilität zwischen realer und filmischer Zeit. Kels, ein Schüler von Peter Kubelka an der Städelschule, folgt in seinen frühen Arbeit dessen Lehren, indem er die Montage als Mittel nutzt, um das Zeit-Raum-Kontinuum aufzubrechen und so „eine Art filmischen Tanz“ zu schaffen. In Flußpferde (1993), einem seltenen Beispiel für einen auf 35mm-Film gedrehten Experimentalfilm, verbindet Kels durch die Aufnahme minutenlanger Einstellungen sein Interesse an der metrischen Montage mit einer Form der Montage innerhalb des Bildausschnitts selbst und deckt so die „unendlich realisierbaren Möglichkeiten in den uninszenierten Ereignissen der dokumentarischen Realität“ auf. Die in Brüssel lebende Filmemacherin Els van Riel arbeitet als Filmvorführerin und Ausstellungstechnikerin. In ihrer Arbeit „dient der 16mm-Film als zentrales Element, durch das sie die grundlegenden Komponenten des Mediums erforscht: Zeit, Licht, Bewegung und Materialität.“ Wir freuen uns sehr, die erste Retrospektive ihrer Werke in Deutschland zu präsentieren und Els van Riel in Frankfurt am Main willkommen zu heißen. Im Nachbarland, den Niederlanden, gilt Mattijn Seip als einer der großen unbekannten Filmemacher seiner Generation. Unter Einsatz von Animationstechniken, ausgeweiteten Kamera- und Verschlusstechniken sowie Flickereffekten schafft Seip eine neue Form des Sehens und führt dabei ein „verstärktes Gefühl flimmernder räumlicher Destabilisierung“ ein. Es lässt sich leicht erkennen, wie Paul Sharits’ Declarative Mode, den wir zum Abschluss zeigen, mit den verschiedenen vorhergehenden Thematiken verbunden ist. Als Meister des Flicker-Films stellte die 16mm-Doppelprojektion für Sharits dennoch eine Art Wendepunkt dar: eine Abkehr vom Strukturalismus und eine Rückkehr zur Erzählung. Die Cellule d’Intervention Metamkine tritt in die Fußstapfen dieser Experimente, einen filmischen Erfahrungsraum zu schaffen. Bei ihnen spielen jedoch auch Ton und Musik eine wesentliche Rolle. Das in den 1990er Jahren gegründete Kollektiv tourt mit seinen DIY-Filmperformances um die Welt und schafft dabei einen „fließenden und spontanen Dialog zwischen 16mm-Projektion und elektroakustischer Musik“. Wir freuen uns sehr, Metamkine zur Eröffnung bei exf f. begrüßen zu dürfen, um gemeinsam ihre Jam-Sessions mitzuerleben.

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