filme für den eimer – klaus telscher (1955-2024)
sa 12/09 18:00 | filme für den eimer – klaus telscher (1955-2024) (screening im dff)
Viel zu lange waren Klaus Telschers Filme nicht zu sehen. Dabei ist er einer der wichtigsten Künstler, die in den 1980er und 90er Jahren in der BRD mit Experimentalfilm gearbeitet haben. Er begann 1978, Filme zu machen – der Glanz der 1960er Jahre, des strukturellen Films, war verblichen und erging sich in matten Wiederholungen – für eine neue Generation von Filmmacher:innen öffnete sich dadurch ein Raum, in dem sie sich entfalten konnte. In einer differenzierten, ihrer selbst sicheren Szene und von wechselseitiger Wertschätzung, der Künstler:innen wie Hille Köhne, Christine Noll Brinckmann, Claudia Schillinger, Ute Aurand, Stephan Sachs, Christoph Janetzko, Michael Brynntrup (um nur einige zu nennen) angehörten, entwickelte Telscher einen ganz persönlichen, unverkennbaren Stil. Autobiografische Bezüge, Alltag, deutsche Geschichte, amerikanische Kultur, filmhistorische Zitate, populäre Musik, Kitsch und Ironie werden durch eine eigene ästhetische Sensibilität und formale Präzision zusammen gebracht.
Christine N. Brinckmann: „Telschers reiches, originelles, gewitztes, subtiles und stellenweise kryptisches Werk ist durch die Lust am handwerklich Unorthodoxen, dem Ausloten ‚missglückter‘ Bilder gekennzeichnet; zugleich sind der obsessive Einsatz von Musikfragmenten und die eklektische Bezugnahme auf Fotografie und Filmgeschichte charakteristisch.“ (Begleitheft zur DVD-Edition Klaus Telscher: Das filmische Werk)
Neben seiner Filmarbeit hat Klaus Telscher an einer Reihe von deutschen und internationalen Kunsthochschulen unterrichtet, ist weltweit für das Goethe Institut mit Programmen deutscher Experimentalfilme gereist und hat Workshops gegeben. Er bekam zahlreiche Auszeichnungen, mehrfach wurde ihm den Preis der Deutschen Filmkritik in der Kategorie Experimentalilm verliehen, er war Träger des Niedersächsischen Kunstpreises und hatte 1985 das Ottomar Dominik Stipendium inne.
1995 kam sein letzter Film, La Reprise heraus. Unvermittelt setzte eine schwere Erkrankung 1996 seiner Arbeit ein Ende, er starb 2024.
(Dank an Christine N. Brinckmann, Mike Hoolboom, Ralph Sausmikat)
Kuratiert und eingeführt von Karola Gramann und Heide Schlüpmann. Mit Dank an EMAF (Katrin Mundt, Tanja Horstmann) für die Bereitstellung der analogen Kopien des Programms.
Entwicklungsstücke
R: Klaus Telscher, 16mm, farbe, ton, 12 min, 1979/1980
American Hotel
R: Klaus Telscher, 16mm, farbe, ton, 13 min, 1982/1983
Great Kendo Commercial
R: Klaus Telscher, 16mm, farbe, ton, 13 min, 1985
Warum ist es am Rhein so schön?
R: Klaus Telscher, 16mm, farbe, ton, 18 min, 1986
Nachsommer
R: Klaus Telscher, 16mm, farbe, ton, 30 min, 1987
Her Mona
R: Klaus Telscher, 16mm, farbe, ton, 7 min, 1992

