erweiterungen, wandel, brüche: frühe filme von mattijn seip
fr 11/09 14:30 | erweiterungen, wandel, brüche: frühe filme von mattijn seip (screening in der pupille)
Mattijn Seip (geb. 1940) begann in den 1960ern mit dem Filmemachen und war gleichzeitig auch als Künstler, Schauspieler und in der Organisation innerhalb der Amsterdamer Experimentalfilmszene aktiv. 1968 gründete Seip zusammen mit dem Filmemacher Niko Paape STOFF, eine Initiative, die sich für die Demokratisierung des Filmemachens einsetzte. Dort fanden sich auch Filmemacher:innen wie Jos Schoffelen, Daniel Singelenberg und Seips damalige Partnerin Barbara Meter. Diese Tätigkeiten setzten sich später mit Vorführungen im Undergroundkino Electric Cinema fort (circa 1969-1973).
Dieses Programm befasst sich mit Seips formal explorativster Schaffensperiode von 1969 bis 1972 – Filme, die unter anderem mit den Mitteln der experimentellen Animation, ausgiebigen Kamera- und Verschlusstechniken, sowie mit Flickereffekten arbeiten. Hier steht ein Interesse an den strukturellen und materiellen Aspekten von Film im Vordergrund, besonders in After the Colours und Double Shutter, beide aus dem Jahr 1972. Der erste ist eine Studie von Farben und Kreuzmustern, der letzte ist auf einer Schaukel mit einer sekundären Blende gedreht, wodurch sich ein gesteigertes Gefühl flackernder räumlicher Desorientierung ergibt – Malcolm Le Grice erkannte hierin die Aufstellung eines neuen, zeitbasierten „kubistischen“ Raumes. In Retour d’enfance (1970) wird der Film bemalt und zerkratzt, ein Verfahren, das sich in Rubbish (1972) wiederholt. Während der erste Film allerdings ohne Ton arbeitet, setzt die chaotisch wechselnde Tonspur hier einen spürbaren Akzent. In Barbara Meters … And at the Table (1971) sitzt Seip zusammen mit einer Frau am Frühstückstisch. Gesten und Bewegungen oszillieren zwischen Wiederholung und Spontanität, während Licht, Kameraeinstellungen und Schärfentiefe moduliert werden, woraus sich ein klanglich reichhaltiges und mehrschichtiges Kontinuum zwischen innerer Aktivität und äußerem Raum ergibt. Und zuletzt sind die Lichtschwankungen in Positive Negative Light Vibrations (1971), in dem Fenster in einer Amsterdamer Wohnung im Positiv und Negativ zu sehen sind, ein Ausdruck der formal erfinderischen, intensiven, spielerischen und sinnlich fordernden Arbeiten, die Seip in diesen Jahren produzierte.
( Martin Grennberger )
Salad
R: Mattijn Seip, 16mm, s&w, ohne ton, 5 min, 1972
Retour d’enfance
R: Mattijn Seip, 16mm, farbe, one ton, 14 min, 1969
Color Slidings
R: Mattijn Seip, 16mm, farbe, ton, 14 min, 1972
Double Shutter
R: Mattijn Seip, 16mm, s&w ton, 13 min, 1970
After The Colours
R: Mattijn Seip, 16mm, farbe, ton, 5 min, 1972
Rubbish
R: Mattijn Seip, 16mm, farbe, ton, 12 min, 1970
… And a Table
R: Barbara Meter, 16mm, farbe, ton, 19 min, 1971
Positive Negative Light Vibration
R: Mattijn Seip, 16mm, farbe, ohne ton, 9 min, 1971


