performance der cellule d’intervention metamkine
do 12/09 21:00 | performance de la cellule d’intervention Metamkine (screening in der pupille)
Die lange Karriere von Cellule d’Intervention Metamkine liefert einen Blick darauf, wie sich die Traditionen des Expanded Cinema und der Multimedia-Performance mit dem Schicksal von Analogfilm in seiner postindustriellen Phase kreuzten. So war in den frühen 90ern das Kollektiv, das aus dem Musiker Jérôme Noetinger und den Filmemachern Christophe Auger und Xavier Quérel besteht, unter den Gründer:innen des Atelier MTK in Grenoble, eines der ersten europäischen künstler:innenbetriebenen Filmlabore. Diese autonomen Räume hielten die Möglichkeiten des analogen Kinos am Leben und erfanden sie neu, zu einer Zeit, in der das Aufkommen des Digitalen den Untergang des Analogen zu bedeuten schien. So unterstützten sie nicht nur in der Produktion die Unabhängigkeit und das Experimentieren jenseits von Standards und Routinen, sondern auch in der Vorführung von Filmarbeiten. Dieser DIY-Ethos resoniert mit den von Metamkine über die Jahre entwickelten Praktiken der Live-Bild-und-Tonverarbeitung, die auf der Idee von Détournement und der kreativen Assemblage von Reproduktionsmechanismen, wie dem Filmprojektor und dem Tonbandgerät, basieren. Dieses Power-Trio, das aus einem Umfeld der Improvisation und der intermedialen Kollaboration auftauchte, hat über die Jahre ihren distinktiven Performancestil eines fluiden und spontanen Dialogs zwischen 16mm-Projektion und elektroakustischer Musik perfektioniert – stets so unfassbar vollendet und kohärent wie aufregend und unvorhersehbar. Sie haben nie ein abgeschlossenes Werk veröffentlicht: stattdessen geht es immer um ein einzigartiges Happening, einen Prozess, eine Jam Session. Die Arbeitsmechanismen des Labors werden auf die Bühne geholt, wo sie ganz wie eine Band umgeben von dem Equipment stehen und gemeinsam mit dem Publikum in eine Maschinerie aus optischem Ton versunken sind, bei der mehrere Projektoren ihr Licht durch Spiegel und Objektive werfen. Sie alle hüllen so den Raum ein, spielen Riffs auf Tape und Synthesizern und erzeugen eine intensive, vielschichtige Erfahrung.
( Tommaso Isabella )

