left-handed memories: filme von shellie fleming

sa 12/09 15:00 | left-handed memories: filme von shellie fleming (screening im dff)

Shellie (Michele) Fleming (1954-2013) war ein Mensch von seltener Tiefe und Sensibilität. Sie war eine Collage- und Streetkünstlerin, eine geschätzte Lehrerin, Fotografin, Dichterin und Filmemacherin, die eine Handvoll Filme hinterließ. Diese Filme sind, trotz ihrer relativen Unbekanntheit, einige der handwerklich herausragendsten, feinsinnig detailliertesten und taktilsten Filme der 1980er und 1990er Jahre. Sie sind äußerst persönlich, auch amateurhaft – wie Fleming sie manchmal nannte –, aber im buchstäblichen Sinn des Wortes (abgeleitet vom Französischen amour, Liebe). Die malerische Überlagerung von Bildern, die bebende Präsenz von Farbe und die zarte Verflechtung von Worten, Geräuschen und Musik zeugen von dem Handwerk und der Sorgfalt, die in jedem Film steckt. Worte spielten für Fleming eine besonders große Rolle. So beschäftigte sie sich hauptsächlich mit Sätzen, Versen, Zitaten, sowohl schriftliche als auch mündliche, und mit dem Gewicht, das sie haben – ihren veränderlichen Bedeutungen, den typografischen und klanglichen Symphonien und ihrer Fähigkeit, zu (mis-)kommunizieren. In den Filmen geht es um das Gedächtnis, um das Vergessen und das Erinnern, um das Festhalten und das Loslassen und all die Schwellen der Existenz. Left Handed Memories entstand während Fleming den Verlust von Will Hindle verarbeitete, ein ausgezeichneter Filmemacher, ihr Lehrer, und in seinen letzten Jahren der Mittelpunkt ihrer Zuneigung. Der Film besteht aus Outtakes von Hindles Filmen und wurde auf abgelaufenem Filmmaterial mit einem kleinen Budget gedreht, teils in Baltimore nach Hindles Beerdigung, und teils in Atlanta, ihrer neuen Heimat. Fleming verwendete Nachrichtensegmente aus weit entfernten Ecken, um sich nach Hindles Tod wieder in die Welt zu setzen, und um daran zu erinnern, wie vergänglich das eigene Dasein im großen Ganzen ist. In Private Property (Public Domain) versuchte sich Fleming an der Postmoderne – dem Ende der großen Narrative und dem Abenteuer der Aneignung. In Flemings Filmen werden Gegenstände oft aus der Nähe gezeigt, weg von der Eitelkeit der Realität, hin zu etwas Obskurerem, das vage erotisch aufgeladen daherkommt und an den Rändern der Abstraktion verweilt. So zeigt Private Property auf diese Weise Muscheln, die visuell an Ansichten intimer Körperteile erinnern. Dichtung war wesentlich für Fleming, nicht bloßes Ausdrucksmittel, sondern eine Art, einen Umgang mit Worten zu finden, sich besser mitzuteilen; es ist einer der wenigen Bereiche in meinem Leben, in denen ich ganz offen meine Eifersucht bekunden kann“, scherzte sie einmal. Ihr filmisches Gedicht Devotio Moderna „verwendet die Worte einer anderen und dreht sie in eine neue Richtung, mit dem Zusatz von Bildern.“ Diese andere ist Sylvia Plath, ihr Gedicht Tulips bildet den Ausgangspunkt. In Life/Expectancy erforscht Fleming die Möglichkeiten des Erzählens und vertieft ihr Interesse an den Unwägbarkeiten der Sprache. Hierfür zweckentfremdet sie separate Ausschnitte der Bild- und Tonspuren bekannter Filme wie unter anderem Intolerance, Sunset Boulevard, The Lady from Shanghai, Stage Fright und Persona und fügt Fußnoten aus der zeitgenössischen Literatur hinzu, die eine Vielzahl an Themen abdecken, von der Psychologie bis zum Begehren, von der Hingabe zu versteckten Schrecken des menschlichen Herzens. Die vier Filme in diesem Programm sind die einzigen, die Fleming öffentlich zeigen wollte.

Zusammengestellt und vorgestellt von Arindam Sen. Vielen Dank an das Academy Film Archive (Mark Toscano) für die Bereitstellung der analogen Filmkopien dieses Programms. Bilder mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Left-Handed Memories

R: Shellie Fleming, 16mm, farbe, ton, 15 min, 1989

Private Property (Public Domain)

R: Shellie Fleming, 16mm, farbe, ton, 12 min, 1991

Devotio Moderna

R: Shellie Fleming, 16mm, farbe, ton, 10 min, 1993

Life/Expectancy

R: Shellie Fleming, 16mm, s&w, ton, 30 min, 1999

Shellie Fleming – Private Property (Public Domain) (1991)
Shellie Fleming – Private Property (Public Domain) (1991)
Shellie Fleming – Left-Handed Memories (1989)
Shellie Fleming – Left-Handed Memories (1989)
Shellie Fleming – Devotio Moderna (1993)
Shellie Fleming – Devotio Moderna (1993)